Freiwillige Feuerwehr Kelchsau

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Aktuelle Alarmierungen LFV Tirol

Der etwas länger andauernde Einsatz...

Im nachfolgenden möchten wir euch einen Bericht über die Hochwasserkatastrophe vom 08. und 09. Juli 2021 geben. Der Einsatz konnte mittlerweile beendet werden, jedoch kam es im Laufe der Tage danach immer wieder zu Problemen da die vorerst provisorisch getroffenen Maßnahmen nicht standhielten.

Die Alarmierung sowie die erste Lage: Nach einem Anruf von einem Anrainer bei unserem Kommandanten wurde ihm mitgeteilt, dass der Rehaber Graben übergehen würde. Aufgrund dessen beschloss er mit zwei weiteren Mitgliedern eine Nachschau zu halten. Während dessen war auch unser LAST mit zwei Mitglieder im Ortsgebiet unterwegs, um etwaige Übertritte der Kelchsauer Ache schnellstmöglich melden zu können. Bei der Ankunft vom Kommandanten am Einsatzort traf er auf einen Graben, welcher über die Landesstraße in Richtung Ache floss. Nach Rücksprache mit dem anderen Erkundungstrupp wurden ihm eine recht hohe Wasserführende und zum Teil schon fast übergetretene Ache gemeldet, wodurch er den Sammelruf auslösen ließ. Bis zu diesem Zeitpunkt ahnte noch keiner in welchem Ausmaß uns das Hochwasser noch Treffen wird und sich der Einsatz zu einem der größten vlt. sogar zum größten Einsatz in unserer Feuerwehrgeschichte entwickeln wird.

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Dramatischer Wendepunkt:  Nachdem unser Feuerwehrmitglied Othmar mit seinem Bagger einen Wall errichtet hatte, glaubten wir die Lage soweit unter Kontrolle zu haben. Auch der eigens für die Ache abgestellte Posten meldete zu diesem Zeitpunkt noch keine besonderen Vorkommnisse. Ohne jegliche Vorwarnung spülte es jedoch plötzlich die Böschung sowie die an die Böschung angrenzenden Bäume und Sträucher weg. Kurz danach bildeten sich im Asphalt erste Beulen und allerspätestens jetzt nahm die Katastrophe ihren Lauf. Da sich das Tanklöschfahrzeug im unmittelbaren Gefahrenbereich befand war Eile geboten. Um Bevölkerung sowie Mitglieder zu warnen beschlossen wir das Folgetonhorn anzuschalten. Gleichzeitig traten wir den Rückzug an. Dieser Ausschnitt wurde gefilmt und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt (Video kann man etwas weiter unten sehen).

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Weitere Meldungen: Von da an spitzte sich die Situation fast minütlich zu. Von fast allen Posten wurde ein Übertreten der Ache sowie ein Weckbrechen der Böschung und der angrenzenden Bereiche gemeldet. Dadurch veranlasste der Einsatzleiter als weitere Maßnahme umgehend eine Sperre aller Brücken. Da zu diesem Zeitpunkt das Kehlbachfest noch voll im Gange war, begaben sich Einsatzleiter und Fahrer mit dem LAST in Richtung Glantersberg um eventuell den Leuten ihre Heimfahrt auf diesem Wege zu ermöglichen. Bei der Erkundungsfahrt sah es leider nicht sehr gut aus. Eine Überquerung über den Glantersberg wäre dort schon nicht mehr möglich gewesen und zwang auch unseren Erkundungstrupp zum Umkehren. Auf dem Rückweg war die Ache so angestiegen, dass die Brücke in Richtung Zillfeldweg schon nicht mehr gefahrlos überquert werden konnte und unser LAST stehen gelassen werden musste. Die Besatzung machte sich dann zu Fuß auf, um über einen schmalen Forstweg auf eine etwas höher gelegene und noch nicht so stark betroffenen Brücke zu gelangen.  

Besprechung mit kompletter Mannschaft: Aufgrund der Komplexität und Ausmaß des Einsatzes wurde der Beschluss gefasst eine Besprechung mit der gesamten Mannschaft über die weitere Vorgehensweise im Gerätehaus zu machen. Zu dieser waren über 30 Kameraden anwesend. Dabei wurden nachfolgende Dinge vereinbart:

  • Zu jeder Brücke zwei Mann als Absperrposten abstellen
  • Gruppe TLF im Ortsgebiet patrouillieren, um bei auftretenden Problemen schnellstmöglich eingreifen zu können
  • Kehlbachfest abbrechen
  • Festbesucher, welche nicht mehr Heimkommen, in der Mehrzweckhalle unterbringen (Dafür wurden auch einige Kameraden abgestellt um das Ganze zu erfassen)
  • Florianstation mit mindestens einem Feuerwehrmitglied Fix besetzen
  • Paar Männer zum Autoservice Fuchs fahren, um Fahrzeuge aus der Gefahrenzone zu bringen
  • Rest von der Mannschaft blieb in der Zwischenzeit auf Bereitschaft, um für etwaige Einsätze schnellstmöglich gerüstet zu sein
  • Auch wurde eine Lageführung eingerichtet

Lageführung: Bei einem Ereignis solcher größe ist eine Lageführung unabdingbar. Auch wir hatten wie oben beschrieben, im Zuge der Zusammenkunft beschlossen, diese einzurichten. Nachfolgend haben wir euch einige Punkte von der Mitschrift vom Samstag und Sonntag herausgepickt und für euch zusammengefasst. Diese erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Punkte aufzulisten würde schlichtweg den Rahmen sprengen. Auch wurden nur Punkte von den beiden eben genannten Tagen miteinbezogen.

Samstag, 17.7.2021 

22:57 Alarmierung (Sammelruf)

23:40 Straße im Bereich Fahrzeugservice Fuchs weggebrochen und somit Evakuierung Schmiede Feller

Sonntag, 18.7.2021 

1:00 Wegfall Last, Einsturzgefahr Lichtenauer Brücke

1:30 Lagebesprechung FF-Haus 31 Mann/Frau

Betreuung Festgäste + Datenaufnahme

Kontrolle Brücken

3:50 Einsturz Lichtenauer Brücke

3:55 Evakuierung von drei Wohngebäuden

5:21 Stromausfall

5:38 Graben frei machen – Steiner Brücke

5:40 Strommasten Innerkelchsau droht zu kippen – Information an KBH ob dieser Stromfrei ist?

Meldung Wasserschaden Wegscheid

6:09 Stromleitung Innerkelchsau ist stromlos

10:39 großer Murenabgang “Kühtalalm”- Gefahr von Schwallflut

11:20 Wasserversorgung zum Teil abgedreht, Gemeinde weiß Bescheid, Servicetechniker ist verständigt

11:30 Brücke im kurzen Grund eingebrochen und staut nun die Ache. Dadurch komplettsperre Straße Innerkelchsau ab Fuchswirt, Evakuierung der Häuser in der Innerkelchsau

11:47 Evakuierung abgeschlossen

11:48 Begutachtung Erdrutsch “Foisching”

14:29 Erkundungsflug

15:06 Kurzer Grund mit LKW nicht mehr befahrbar

15:20 Eintreffen Notstromaggregat Feuerwehr Ellmau (Zwiesel)

15:47 Eintreffen Notstromaggregat Feuerwehr Fieberbrunn (Steiner Brücke)

20:00 Erster Bereitschaftsdienst im Gerätehaus angelaufen

22:00 Eigenanforderung Keller auspumpen bei Wohnhaus mit Nasssauger

23:38 Fahrzeuge mit Strom und Luft versorgt und soweit wieder Einsatzbereit gemacht.

Weiterer Ablauf: Da solch eine Katastrophe nicht von heute auf Morgen vorbei ist sind wir die ersten Tage rund um die Uhr im Einsatz gewesen. Der Plan sah wie folgt aus: Vom Sonntag weg wurde ein 24h Bereitschaftsdienst im Feuerwehrhaus eingerichtet. Bei diesem waren ständig zwei Mitglieder jeweils acht Stunden auf Bereitschaft im Gerätehaus. Für den Lotsendienst über die Haagalm stellten wir auch zwei Mitglieder pro Schicht, welche von 06:00 Uhr bis 13:00 Uhr und von 13:00 Uhr bis 20:00 Uhr ging. Nach der Errichtung der Ersatzbrücke über den Glantersberg wurden die Lotsen dorthin versetzt. Dieser Dienst wurde mit 30.07.2021 beendet. Die 24h Bereitschaft endete am Mittwoch, den 21.07.2021. Den Lotsendienst auf Hopfgartner Seite übernahm die Feuerwehr Hopfgarten. Dafür einen recht herzlichen Dank für die Unterstützung!

Abschlussbilanz: Wie oben erwähnt ist der Einsatz bzw. die damit verbundene Einsatzserie mittlerweile beendet. In den Tagen bis zum 30.07.2021 wurden wir immer wieder zu Einsätzen alarmiert. Unter anderem mussten wir ein kleines Wasserkraftwerk von Schlamm und Geröll befreien, Tragehilfe bei einem medizinischen Notfall leisten und etliche anderen Transport und Liefertätigkeiten durchführen. Diverse Reinigungs- und Unterstützungsarbeiten rundeten das Ganze ab. In Summe rückten wir dieser Tage zu 15 Einsätze (17. und 18.07.2021 dabei als ein Einsatz gewertet) aus. Hierbei wurden 167 Mitglieder eingesetzt und 1919 Einsatzstunden verbucht. Aufgrund der ständigen Bereitschaft einiger Mitglieder konnten die meisten Einsätze ohne zusätzliche Alarmierung abgearbeitet werden. Ein genauer Detailbericht aller Tätigkeiten kann nicht gegeben werden, da es schlichtweg den Rahmen sprengen würde.

 Danke: So ein Einsatz in dieser Dimension wäre allein unmöglich zu Stemmen. Viele, viele helfende Hände und einige glückliche Umstände haben es ermöglicht, dass wir im Großen und Ganzen mit einem blauen Auge davongekommen sind. Deshalb liegt es auch uns am Herzen Danke zu sagen. Danke für eure Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit, danke für die Super Verpflegung, danke für euer Verständnis falls mal was nicht so schnell ging, danke für die prompte Hilfe bei einem Anruf wenn schweres Gerät oder sonst was benötigt wurde und danke auch für die zahlreich eingelangten Geldspenden. Ohne euch alle hätten wir dies sicherlich nicht so hinbekommen und die Lage sehe mit Sicherheit nicht so aus wie sie jetzt aussieht. Den größten Dank möchten wir jedoch unserer Mannschaft widmen. Zu Spitzenzeiten waren wir mit rund 35 Mann im Einsatz und auch die Tage danach war die Hilfsbereitschaft enorm. Liebe Mitglieder es war und ist wirklich eine Ehre solch eine tolle und hilfsbereite Mannschaft zur Seite zu haben.

Zusammenschnitt mehrerer Videosequenzen:

In der Fotogalerie sind einige Einsatzbilder zu finden. Wir bitten um Verständnis, dass die Bilder zeitlich gesehen nicht alle in korrekter Reihenfolge sind.

 

 
 
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